Bikefitting-App: Was eine Video-Analyse leisten kann
Eine Bikefitting-App mit Videoanalyse misst deine Sitzposition beim Treten: Sie erkennt Gelenkpunkte im Video, berechnet daraus Winkel an Knie, Hüfte, Rücken und Ellbogen und zeigt, ob Sattel und Cockpit passen. Gute Apps rechnen über mehrere Pedalumdrehungen und kalibrieren auf echte Zentimeter, damit Empfehlungen wie „Sattel 1 cm höher“ direkt umsetzbar sind. Sie ersetzen kein Labor mit mehreren Kameras, finden aber die häufigsten Fehler in der Grundeinstellung zuverlässig.
So funktioniert eine Bikefitting-App
- Aufnahme: Das Handy filmt dich von der Seite, während du auf dem Rollentrainer trittst.
- Posenerkennung: Ein Erkennungsmodell findet in jedem Bild Punkte wie Schulter, Hüfte, Knie, Knöchel und Fuß.
- Winkelberechnung: Aus den Punkten ergeben sich Winkel, etwa zwischen Oberschenkel und Unterschenkel.
- Zyklen erkennen: Die App erkennt die einzelnen Pedalumdrehungen und sucht in jeder den unteren und oberen Totpunkt.
- Mitteln: Statt eines Einzelbilds wird über viele Umdrehungen gemittelt. Ausreißer fallen dabei heraus.
- Bewertung: Die Werte werden mit Zielbereichen verglichen und in Empfehlungen übersetzt.
Bike2Fit arbeitet nach diesem Prinzip. Die Posenerkennung läuft lokal im Browser, das Video verlässt dein Gerät nicht. Gespeichert werden auf Wunsch nur Messwerte.
Was gemessen wird
| Ansicht | Messwert | Typischer Zielbereich in Bike2Fit |
|---|---|---|
| Seite | Kniewinkel am unteren Totpunkt | 140–150° |
| Seite | Hüftwinkel am oberen Totpunkt | 40–60° |
| Seite | Rückenwinkel zur Horizontalen | 30–45° |
| Seite | Ellbogenbeugung | 15–25° |
| Seite | KOPS, Knie zur Pedalachse | ±1,5 cm |
| Seite | Trittfrequenz aus dem Video | ohne Zielwert |
| Hinten | Seitliche Knieabweichung | unter 15 % der Hüftbreite |
| Hinten | Höhenschwankung der Hüfte | unter 10 % der Hüftbreite |
| Hinten | Fersenausschlag zur Seite | unter 20 % der Hüftbreite |
Die Werte der Hinteransicht werden auf die Hüftbreite bezogen. So sind sie unabhängig vom Kameraabstand und zwischen zwei Messungen vergleichbar.
Zentimeter statt Pixel: Die Kalibrierung
Ein Video kennt nur Pixel. Damit eine App sagen kann, wie viele Zentimeter das Knie vor der Pedalachse steht, braucht sie einen Maßstab. Bike2Fit nutzt dafür die Kurbel: Das Pedal beschreibt im Video einen Kreis, dessen Radius genau der Kurbellänge entspricht. Aus diesem Kreis berechnet die Analyse, wie viele Pixel einem Zentimeter entsprechen. Ohne Kurbellänge schätzt sie den Maßstab über die Beinlänge, dann ist das Ergebnis ungenauer und wird als geschätzt markiert.
Wie genau ist eine App?
Eine einzelne Kamera liefert eine zweidimensionale Ansicht. Steht sie nicht exakt seitlich, verzerren sich die Winkel. Deshalb prüft eine gute App die Aufnahmebedingungen: Bike2Fit zeigt vor der Aufnahme mit einer Ampel, ob Höhe, Abstand, Neigung und Ausrichtung stimmen, und warnt nach der Auswertung, wenn die Kamera schräg stand, Gelenke schlecht sichtbar waren oder zu wenige saubere Pedalzyklen erkannt wurden.
Systeme mit mehreren kalibrierten Kameras oder Markern am Körper messen genauer. Für die Grundeinstellung reicht eine App aber meist aus: Ein Sattel, der mehrere Zentimeter zu tief steht, fällt auch mit einer Kamera eindeutig auf.
Was du brauchst
- Handy mit Kamera, Stativ oder stabile Ablage auf Sattelhöhe
- Rollentrainer
- deine Kurbellänge, sie steht auf der Innenseite der Kurbel
- etwa zehn Minuten Zeit
- optional ein Tablet als großer Bildschirm und ein Power-Meter mit Bluetooth
Bike2Fit läuft im Browser, ohne Installation. Am besten funktioniert die Analyse in Chrome oder Edge am Desktop und auf Android-Geräten. Auf dem iPhone gibt es Einschränkungen, unter anderem keine Bluetooth-Verbindung zum Power-Meter im Browser.
Woran du eine gute Bikefitting-App erkennst
- Messung beim Treten, nicht aus einem Standbild.
- Mehrere Zyklen, gemittelt oder als Median.
- Kalibrierung auf echte Zentimeter.
- Prüfung der Aufnahme, mit Warnungen bei schlechter Kameraposition.
- Konkrete Empfehlungen, nicht nur Winkel.
- Verlauf, damit du Vorher und Nachher vergleichen kannst.
- Datenschutz: Klar erkennbar, ob Videos hochgeladen werden.
Was Bike2Fit zusätzlich bietet
- Live-Modus: ein Tablet als Monitor koppeln und Winkel in Echtzeit sehen, während du am Sattel schraubst
- Power-Meter-Anbindung per Bluetooth für Leistung, Trittfrequenz und Links-Rechts-Balance
- Analyse-Video mit eingeblendeten Winkeln zum Herunterladen
- Verlauf, Vorher-Nachher-Vergleich und Report als PDF
- optionaler KI-Pass für 4,99 €: 30 Tage beliebig viele KI-Detailauswertungen, alle Messungen sind kostenlos
Wie die Messung Schritt für Schritt abläuft, steht in der Anleitung zum Bikefitting mit dem Handy. Was Bikefitting grundsätzlich leistet, erklärt der Artikel Was ist Bikefitting?.
FAQ
Muss ich eine App installieren? Bei Bike2Fit nicht. Die Analyse läuft direkt im Browser. Für die Nutzung legst du ein kostenloses Konto an, die Anmeldung läuft per E-Mail-Code.
Wird mein Video hochgeladen? Nein. Die Posenerkennung läuft auf deinem Gerät. Nur wenn du die optionale visuelle KI-Analyse aktiv einschaltest, werden einzelne Standbilder übertragen.
Wie genau sind die Werte? Sie zeigen zuverlässige Tendenzen und Anpassungsrichtungen. Systeme mit mehreren kalibrierten Kameras sind präziser.
Funktioniert das auf dem iPhone? Die Videoanalyse ja, mit Einschränkungen. Die Bluetooth-Verbindung zum Power-Meter ist im Browser auf dem iPhone nicht möglich.
Brauche ich zwingend einen Rollentrainer? Für eine saubere Messung ja. Du brauchst eine sichere Möglichkeit, gleichmäßig auf der Stelle zu treten.